Welche Rolle Vorbilder für die Persönlichkeitsentwicklung spielen.

Wie Vorbilder zu unserer Identitätsbildung beitragen.

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Wie funktionieren Vorbilder generell?

Schauen wir zum Beispiel in den Sport:

Im Sport wird demonstriert, wie harte Arbeit, Leistung und Erfolg anerkannt und belohnt werden. Die Regeln sind transparent – das Fairplayprinzip gilt gleichermaßen für Sieger wie Verlierer. Die klare Zielorientierung und mess­bare Ergebnisse wirken sehr motivierend. Nirgends liegen Glück und Unglück durch Sieg oder Niederlage so eng beieinander wie beim sportlichen Wettkampf.

 

Wir identifizieren uns mit unserem „Helden“ oder unserem Lieblingsteam. Wir fiebern mit, trauern bei Niederlagen und bejubeln Siege. Wir beobachten genau die Verhaltenswei­sen unserer Sportidole, bewundern ihren Mut und ihre Ent­schlossenheit. Der schier unbeugsame Wille, selbst in schwierigsten Situationen die richtige Entscheidung zu treffen und sich im Kampf um den Sieg durchzusetzen, fesselt uns.

Gerade diese außergewöhnlichen Charaktereigenschaften sind es, weshalb wir unsere Idole lieben. Und immer dann, wenn wir selbst neue Herausforderungen und Aufgaben zu bewältigen haben, hilft uns der Gedanke an unser Idol wei­ter.

Gilt dieses Prinzip auch im Unternehmen & bezogen auf Führung?


Die Grundidee der sportlichen Leistungsoptimierung und des Erreichens eines großen Ziels ist nahezu eins zu eins übertragbar auf ökonomische Ziele. Auch in Wirtschaftsun­ternehmen herrscht das Leistungsprinzip.

Und auch im Bezug auf die Identifikation gibt es Parallelen. Im Sport werden die „Sporthelden“ mittels Werbeslogans ins rechte Licht gesetzt: „The Winner takes it all!“.

Und in Unternehmen, werden Produkten und Dienstleistungen oder sogar Personen ähnlich in Szene gesetzt und die gesellschaftliche Vorbildfunktion wirkt sich mitunter direkt auf erhöhte Umsätze aus. Daher funktioniert dieses Prinzip auch im Unterbnehmen und bezogen auf Führung.


Wie entsteht unser Verhalten?

Das Imitationslernen, also lernen durch imitieren – durch abschauen, ist die Grundlage für die Weitergabe von Handlungsmustern. Wir imitieren also das Verhalten von jemand anderem und machen es uns so zu eigen z.B.: imitieren Kinder die Bewegungen Ihrer Eltern.

Das Imitationslernen ist aber auch Grundlage für Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster. Wir nehmen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben wahr und bewerten diesen Unterschied zu uns, je nach dem in welchem Kulturkreis wir gelernt haben.

Und die neurophysiologi­sche Grundlage dieses lernens, dieser Identitätsbildung basiert auf dem Resonanzprinzip der Spiegelneuronen.

Kleine Zellen & große Gefühle: Die Spiegelneuronen

Das Gehirn selbst kann nicht fühlen. Es bedarf peripherer Messfühler, so genannter „somatischer Marker“, die über Emotionen wie Freude, Trauer oder Wut Feedback geben. Körperwahrnehmungen vermitteln uns ein Gefühl für richtige oder falsche Entscheidungen. Noch bevor der Verstand die Situation analysiert hat, stellt sich in Bruchteilen von Sekun­den unser Bauchgefühl ein. Uns schwillt der Kamm, wenn wir wütend sind. Wir gehen mit breiter Brust in einen Wett­kampf, und uns rutscht das Herz in die Hose vor Aufregung – solche oder ähnliche Metaphern drücken anschaulich unsere Empfindungen aus.

 

 

Der somatische Marker, d.h. der körperlich spürbare Entscheidungs­prozess ist evolutionär gesehen der älteste. Notwendiger­weise läuft er unvermittelt und automatisch ab.

In Urzeiten mussten unsere Vorfahren in Sekundenbruch­teilen entscheiden, ob sie einem Feind oder Freund gege­nüberstanden. Die Zeit zum Reflektieren und Abwägen war nicht gegeben. Wer zögerte und noch erst nachdenken wollte, lief im wahrsten Sinne des Wortes Gefahr, gefressen zu werden. „Fight or flight“, war die beste Überlebensstrate­gie. Noch heute springt im zivilisierten Menschen dieses System unterbewusst bei Stress an, wenn die Stresshormone Adrenalin und Cortisol unser Gehirn überfluten.

 

Ob wir also einen Menschen als Vorbild wahrnehmen oder ihn sympathisch finden, entscheidet sich in Bruchteilen von Se­kunden. Es sind diese intuitiven, unbewussten Erfahrun­gen, die im Großhirnbereich abgespeichert sind und schneller als der Verstand körperliche Empfindungen bzw. „somatische Marker“ aktivieren.

Prof. Joachim Bauer erklärt dieses Phänomen wie folgt: „Intuition ist eine biologische Resonanz, die in uns entsteht, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken und ohne dass wir das kontrollieren können. Wir haben Spiegelnervenzel­len, die in uns eine Resonanz auslösen.“

 

Der bekannte und viel zitierte Neurologe und Hirnforscher Prof. Gerald Hüther von der Universität Göttingen definiert das Gehirn als Beziehungsorgan. In einem wissenschaftli­chen Aufsatz im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung stellt Prof. Hüther fest:

“Zum Zeitpunkt der Geburt hat das menschliche Gehirn zwar schon wichtige pränatale Erfahrungen verankert, aber es ist insgesamt noch unfertig.

Diejenige Hirnregion, die sich am langsamsten herausbildet, ist der präfrontale Cortex. Er ist in besonderem Maße durch das soziale Umfeld formbar.“

Und Thomas Fuchs, der angesehene Medizinprofessor und Neurowissenschaftler am Lehrstuhl für Psychiatrie und Philosophie von der Universität Heidelberg schlägt in die gleiche Kerbe. Für Fuchs erlangt das Gehirn erst durch seine Verbindung mit unseren Muskeln, Eingeweiden, Ner­ven und Sinnen, mit unserer Haut, unserer Umwelt und mit anderen Menschen zu seiner großen Bedeutung.

Prof. Fuchs führt weiter aus: „Das Gehirn ist der Mediator, der uns den Zugang zur Welt ermöglicht, der Transformator, der Wahrnehmungen und Bewegungen miteinander verknüpft.“  Zentral sei „nicht nur der Austausch mit seiner natürlichen Umwelt, sondern vor allem die Interaktion mit anderen Menschen.“

Was bedeutet das nun für den Alltag?

Zum Beispiel, in der Zusammenarbeit mit Kollegen und/oder einem Chef, sieht das wie folgt aus:

Zunächst basiert unser aller Verhalten, auf einfa­chen Wahrnehmungserfahrungen, die sich mit der Zeit mehr und mehr herausdifferenzieren. So bilden sich, im täglichen Umgang mit den Kollegen, Mitarbeitern etc. ganz bestimmte Antwort- und Reaktionsmuster heraus. Und wie ein Spiegelbild dessen, was von uns erlebt wird, bilden sich dabei im Körper sogenannte neuro­nale Netzwerke.

Oder mit anderen Worten, es werden nach und nach typi­sche Erregungsmuster gebahnt, die sich durch Reizwieder­holung verfestigen. Diese Erregungsmuster hinterlassen individuelle strukturell verankerte Spuren im Gehirn. und diese Spuren können wir über die somatischen Marker im Körper spühren.

Zusammengefasst bedeutet das:

  • Unser Verhalten, unsere Bewertungen und unsere Wahrnehmung, werden durch imitieren gelernt. Und das Imitieren basiert auf dem Resonanzprinzip der Spiegelneuronen im Gehirn.
  • Durch Reizwieder­holung, bilden sich bestimmte Antwort- und Reaktionsmuster aus und diese bilden im Körper sogenannte neuro­nale Netzwerke.
  • Diese Erregungsmuster hinterlassen also individuelle strukturell verankerte Spuren im Gehirn.
  • Und diese Spuren, nehmen wir über die somatischen Marker körperlich wahr.

Anders gesagt:

Die Kultur eines Unternehmens und das Verhalten von Menschen in ihren Rollen, beeinflusst die eigene und die Gehirnentwicklung der Anderen.

Diese enorme Bedeutung sollte uns stets klar sein und unser Handeln, hin zu gelingenden Beziehungen leiten.

 

 

Quellenangabe:

Aufsatz der Bundeszentrale für politische Bildung, Prof. Hüther: m.bpb.de › dokument_pdf › APuZ_2012-22-24_online

Prof. Dr. Fuchs, Das Gehirn – ein Beziehungsorgan, ISBN: 978-3-17-039464-3

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