14.09.2015

Wie man immer das Richtige tut

Julia Engelmann

Ich muss euch enttäuschen: Ich weiß es nicht! Und: Ich persönlich würde auch niemandem glauben, der mir erzählt, er wüsste, was das “Richtige” ist.

Und damit herzlich willkommen zu meinem zweiten How-to-guide (letztes Mal habe ich ja über das Loslassen geschrieben). Das hier ist weniger eine Anleitung als viel mehr eine Frage. Nach dem Prinzip: Erst ins Wasser springen und dann schwimmen lernen. Abgesehen davon, dass ich an sich zwar schwimmen kann (ich habe sogar den Pinguin UND das Seepferdchen gemacht), bin ich nämlich nicht ganz sicher, wie und ob ich immer das Richtige tun kann und will. Willkommen also zu meinem I-don’t-know-how-to-either-but-I-am-trying-guide.

Soll ich lieber genug Schlaf oder genug Tag haben? Soll ich dieses Wochenende spontan wegfahren? Soll ich die Klausur verschieben? Soll ich einen günstigen oder einen guten Kühlschrank kaufen? Soll ich dich anrufen oder dir schreiben oder warten, bis du das machst?

Selbstvertrauen und Verantwortung zählen

Ich würde gerne immer das Richtige tun. Wie geht das? Die dringendste Gegenfrage ist: Gibt es “das einzig Richtige” und wenn ja, was ist es und wer beurteilt das und wann? Das ist alles so vage, dass es “das einzig Richtige” meiner Ansicht nach schon mal nicht geben kann. Zack!

Gibt es denn aber “das für mich in dem Moment Richtige”? Und wenn ja, kann ich es jemals rausfinden? Was für mich in dem Moment das Richtige ist, das kann ja nur ich beurteilen. Das heißt, ich kann mir durchaus Rat einholen und es kann mir jemand Vertrautes den Rücken stärken, aber abnehmen kann mir die Beurteilung keiner. Außerdem kann mehr Rat auch für mehr Verwirrung sorgen. Das heißt, dass “das für mich in dem Moment Richtige” festzulegen unfassbar viel mit Selbstvertrauen und Verantwortung zu tun hat.

Wäre es denn eigentlich schlimm, nicht “das Richtige” zu tun? Und wenn es nicht schlimm wäre, ist es dann nicht vielleicht auch “das Richtige”? Kann ich nicht alles durch einen guten Umgang und einer guten Ansicht zu “dem Richtigen” machen? Denn auch, wenn ich nicht alles beeinflussen kann, was mir passiert oder etwas anders läuft als geplant: Ich kann immer noch entscheiden, wie ich das sehe und wie ich damit umgehe.

Ich habe viel zu lange bei Entscheidungsfragen immer gedacht: “Uh, was, wenn es schiefläuft?” oder: “Ach, warum sollte es denn gut gehen?”. Nichts gegen eine gesunde Skepsis, aber zumindest etwas gegen unangemessenen Pessimismus. Vor noch nicht allzu langer Zeit ist mir aufgefallen, dass ich fürs exakt Gleiche auch denken kann: “Uh, was, wenn es glattläuft?” oder: “Warum sollte es eigentlich nicht gutgehen?” oder verneinungsfrei: “Es wird schon gut gehen.” Das macht um einiges mehr Spaß. Die Rechnung ist simpel: Egal, was ich mache, und egal, was das Ergebnis dessen ist, mit einer positiven Einstellung habe ich letztlich eine bessere Zeit. Optimismus macht gute Laune. Eine Freundin hat mir neulich dieses Zitat geschickt: “Es gibt nur ein Anzeichen für Weisheit: gute Laune, die anhält.” Find ich plausibel.

“Du kannst deine Einstellung verändern!” – oft, wenn jemand so etwas zu mir gesagt hat, dachte ich: “Du hast gut reden. Erst mal muss sich mein Leben ins unermesslich Utopische verändern und erst dann kann ich auch entspannt eine gute Einstellung haben!”. Aber es geht tatsächlich andersrum. Ich halte mittlerweile einiges von der Kraft der eigenen Gedanken und sich selbsterfüllenden Prophezeiungen. Wer Gutes denkt und Gutes tut, der bekommt das auch zurück. Jeder kann seine Einstellung verändern, wenn er will.

Ich glaube also, dass in vielen Fällen eine gute Einstellung beim Machen und Tun das ist, was der Bezeichnung “richtig” vielleicht am nächsten kommen könnte.

Was genug Schlaf und Tag angeht, so wechsele ich die Prioritäten diesbezüglich intuitiv hin und her. Am Wochenende bin ich übrigens zuhause geblieben. Ich hab schon mal Klausuren verschoben, aber das war eigentlich nie die beste aller Ideen, weil sich die Sachlage nicht verbessert. Ich besitze einen günstigen Kühlschrank, der manchmal so surrt wie Grumpycat aussieht, Hashtag Haustierpotential. Und ich werde dich nachher mal anrufen.

All das ist wieder mit neuen Möglichkeiten und Entscheidungen verbunden. Und all das hat das Potential, etwas Gutes zu werden. Und so falsch kann das ja gar nicht ein, somit also sogar richtig.

Was, wenn alles gut geht? Ich bin dafür bereit.